Drei Zettel im echten Prüfungsstil von Prof. Linhart + Nachfragen-Kette; Inhalte, Zahlen und Anker streng nach dem Skript Thema 9 (ca. 10 Minuten Diskussion; erst aufs Papier, dann besprechen).
Zettel 1 — Der Photoeffekt: von der Zinkplatte zu Einstein
„Im Paradigma der Quantenphysik, also nicht mehr im klassischen Wellenbild: Licht kommt in Portionen."
- Erkläre: Was bedeutet Quantelung der Energie? Schreibe
an und erkläre jedes Symbol samt Einheit. Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen Plancks und Einsteins Haltung zu dieser Formel? - Schulversuch: Beschreibe den Hallwachs-Versuch — negativ geladene Zinkplatte auf dem Elektroskop. (Der Professor stellt das Elektroskop auf den Tisch!) Was passiert, wenn man eine Glasplatte dazwischenschiebt, und was beweist das? Fangfrage: Und wenn die Platte positiv geladen ist?
- Versagen der klassischen Theorie: Welche drei Vorhersagen macht die klassische Wellentheorie zum Photoeffekt, und wie widerlegt das Experiment jede einzelne? (Stichworte:
, Wartezeit, Helligkeit vs. Energie.) - Ableitung: Entwickle Schritt für Schritt Einsteins Energiebilanz
, erkläre die Ablösearbeit , unterscheide die drei Fälle beim Vergleich von mit und definiere die Grenzfrequenz . - Einheiten + Rechenbeispiel (aufs Papier!): a) Wie viele Joule sind 1 eV, und warum rechnet die Atomphysik in eV? b) Ein Elektron springt von
eV auf eV zurück: Berechne Energie, Frequenz und Wellenlänge des Photons. Liegt es im Sichtbaren? c) Zeige mit Zahlen: Warum „akzeptiert" Zink ( eV) UV mit 250 nm, aber kein rotes Licht mit 700 nm? Berechne im UV-Fall auch die Geschwindigkeit des Elektrons. Wo liegt die Grenzwellenlänge von Zink? - Zum Abschluss: „Ist die klassische Wellenoptik damit falsch?" — Was glauben die meisten Physiker? (Stichwort: Geltungsbereich.)
Zettel 2 — Doppelspalt, Wellenfunktion und Schrödingers Katze
„Ein einzelnes Photon trifft an einem Punkt auf — und trotzdem entsteht das Interferenzmuster."
- Erkläre: Was beobachtet man beim Einzelphoton-Doppelspalt, und warum widerlegt das gleichzeitig das reine Wellenbild und das reine Teilchenbild?
- Wellenfunktion: Was ist
— und was ist es nicht? Warum nimmt man für die Wahrscheinlichkeit das Betragsquadrat und nicht einfach ? - Ableitung: Multipliziere
aus und benenne den Interferenzterm; erkläre dann, wie sich die Rechnung ändert, sobald ein Welcher-Weg-Detektor den Spalt verrät, und warum die Streifen verschwinden. Technisches Problem oder Prinzip? - Dekohärenz: Definiere sie. Warum gilt: je mehr Teilchen, desto kürzer die Dekohärenzzeit (vier Schritte)? Löst die Dekohärenz das Messproblem?
- Rechenbeispiel: Eine Laserdiode mit
mW sendet Photonen mit Hz — wie viele pro Sekunde? Und damit: Warum merken wir im Alltag nichts von der Quantelung? - Zum Abschluss: „Ist die Katze wirklich gleichzeitig tot und lebendig?" — Was wollte Schrödinger mit dem Gedankenexperiment eigentlich zeigen, und wie löst man es heute auf?
Zettel 3 — Heisenberg, absoluter Nullpunkt und Aspelmeyers schwingender Spiegel
„Die Unschärfe ist kein Messfehler, sondern ein fundamentales Prinzip der Natur."
- Erkläre + Ableitung: Schreibe
an (mit Wert und Einheit von ). Begründe in fünf Schritten über das Wellenpaket und die De-Broglie-Beziehung , woher die Unschärfe kommt. Warum ist sie kein Messfehler? - Einheiten + Größenordnung (Rechenbeispiel): a) Berechne
. b) Sperrt man ein Elektron auf einen Atomdurchmesser m ein: Wie groß ist mindestens , und welches entspricht dem? c) Warum sieht man davon am Billardtisch nie etwas? - Absoluter Nullpunkt: Was heißt
K mikroskopisch? Warum ist er niemals erreichbar (3. Hauptsatz)? Leite in vier Schritten die Nullpunktsenergie aus der Unschärferelation her. - Aspelmeyer (Uni Wien): Was erforscht er (makroskopische Quantenoptomechanik)? Wie „kühlt" Laserlicht einen Spiegel (Strahlungsdruck)? Warum könnte das den ersten experimentellen Hinweis auf Gravitation auf Quantenebene liefern? Fangfrage: Widerspricht das nicht der Dekohärenz?
- Zum Abschluss: „Der Laplace'sche Dämon ist heute physikalisch unmöglich." — Wer oder was hat ihn widerlegt? Ist das Universum dann noch berechenbar, gibt es freien Willen? Was glauben die meisten Physiker?
Nachfragen-Kette
- Warum entlädt sich die positiv geladene Zinkplatte nicht?
- Was genau beweist die Glasplatte?
- Warum hilft beim roten Licht auch beliebige Helligkeit nicht — können zwei „zu schwache" Photonen nicht zusammenlegen?
- Für welche Elektronen gilt
streng genommen? (Stichwort: .) - Bekam Einstein den Nobelpreis für die Relativitätstheorie?
- Teilt sich das Photon am Doppelspalt?
- Kann man Weginformation haben und das Interferenzmuster behalten?
- Warum sehen wir nie einen Fußball in Superposition?
- Hat die „halb tote" Katze je existiert — und weiß die Natur, wann ein Atom zerfällt?
- Warum ist 0 K unerreichbar? Was ist an „kühlen bis zum völligen Stillstand" falsch?
- Wieso hat Aspelmeyers Spiegel überhaupt etwas mit Gravitation zu tun?
- In einem Satz: Hat die Quantenphysik die klassische Physik widerlegt?
§§ANTWORTEN
Zettel 1
- Quantelung: Energie wird nicht stetig, sondern nur in diskreten Portionen
ausgetauscht; Js (Planck-Konstante), in Hz, in J. Unterschied: Planck quantelte nur den Austausch (die Wände geben portionsweise ab — für ihn ein reiner Rechentrick); Einstein nahm sie ernst und postulierte 1905: Licht besteht aus Photonen — Portionen auch im freien Flug. → Skript §9.1 - Hallwachs: Negativ geladene Zinkplatte auf dem Elektroskop + UV-Lampe → Platte entlädt sich, der Zeiger fällt (die ausgelösten Elektronen tragen die negative Ladung weg). Glasplatte absorbiert UV → Effekt stoppt → verantwortlich ist der UV-Anteil, nicht sichtbares Licht oder Wärme. Positive Platte: Elektronen werden zwar ausgelöst, aber von der positiven Ladung sofort zurückgezogen → keine Anzeige; deshalb braucht der Versuch negative Ladung. → Skript §9.2
- Drei (falsche) klassische Vorhersagen: ① Energie steckt in der Amplitude (
, die Frequenz kommt in der Bilanz nicht vor) → helles rotes Licht müsste Elektronen lösen — tut es bei keiner Intensität; ② bei schwachem Licht müsste Energie „aufgesammelt" werden → messbare Wartezeit — tatsächlich treten Elektronen praktisch sofort aus; ③ mehr Helligkeit müsste schnellere Elektronen liefern — tatsächlich nur mehr, nicht energiereichere. „Die Wellentheorie ist an drei Punkten widerlegt." → Skript §9.2 - Ein Elektron schluckt ein Photon (alles oder nichts): empfangen
, verbraucht die materialabhängige Ablösearbeit , der Rest wird Bewegungsenergie → , . Drei Fälle: → kein Elektron (Helligkeit ändert nichts); → Austritt mit , definiert ; → Überschuss als . → Skript §9.2 - Rechnung (nachgerechnet): a)
J (Energie eines Elektrons nach 1 V) — atomare Energien liegen bequem bei wenigen eV. b) eV J; Hz; m nm — sichtbares blaugrünes Licht ✓ (konsistent: 2,55 eV liegt im sichtbaren Bereich 1,6–3,1 eV). c) Rot 700 nm: Hz, J eV eV → Fall 1, kein Elektron. UV 250 nm: Hz, J eV eV → Fall 3, eV J, m/s. Grenze: Hz → nm, bereits im UV — das gesamte sichtbare Licht liegt unter den 4,3 eV von Zink. → Skript §9.2 - Haken: Nicht alles ist falsch — falsch heißt nicht, dass alles falsch wäre. Die Wellenoptik bleibt in ihrem Geltungsbereich (
, viele Photonen, kleine Energie pro Photon) völlig gültig (Interferenz, Beugung, Gitter); erst wo einzelne Photonen zählen, braucht es die Quantenoptik. Die meisten Physiker sehen es so: Die alte Theorie wird zum Grenzfall der neuen — sie landet nicht im Müll. → Skript §9.10
Zettel 2
- Einzelne Quantenobjekte (Photonen, Elektronen … bis Moleküle mit ~1000 Atomen) treffen als Punkte auf; nach vielen entsteht das volle Interferenzmuster. Gegen das reine Wellenbild: ein Photon trifft nur an einem Ort auf (eine Welle wäre verschmiert). Gegen das reine Teilchenbild: Das einzelne Objekt „nimmt beide Wege gleichzeitig" — „Das Photon nimmt beide Wege gleichzeitig (Superposition) und interferiert mit sich selbst." → Skript §9.3
ist eine Wahrscheinlichkeitsamplitude — eine mathematische Größe, keine messbare Welle wie eine Wasserwelle. ist komplex (Phase, kann negativ/imaginär sein); eine Wahrscheinlichkeit muss reell und sein → Betragsquadrat = Antreffwahrscheinlichkeit. → Skript §9.3 - Ohne Wegmessung addieren sich die Amplituden:
— der letzte Summand ist der Interferenzterm, je nach Phasendifferenz positiv (heller Streifen) oder negativ (dunkler Streifen). Macht der Detektor die Wege unterscheidbar, addieren sich nur noch die Wahrscheinlichkeiten (ohne Interferenzterm) → das Muster verschwindet. Mechanismus: Die Messung erfordert Wechselwirkung, die Weginformation landet in der Umgebung → Verschränkung, feste Phasenbeziehung weg. Prinzip, nicht Technik: „Man bekommt entweder Weginformation oder Interferenz — nie beides." → Skript §9.3 - Dekohärenz = Verlust der festen Phasenbeziehung (Kohärenz) zwischen den überlagerten Anteilen durch Wechselwirkung mit der Umgebung. Vier Schritte: ① jede Umgebungs-Wechselwirkung (Luftmolekül, Photon, Stoß) trägt Information nach außen; ② mehr Teilchen → mehr solcher Wechselwirkungen pro Zeit; ③ sobald die Umgebung den Zustand „kennt", wirkt das wie der Welcher-Weg-Detektor → Interferenzfähigkeit zerstört; ④ ein Objekt aus
Teilchen verliert die Kohärenz praktisch augenblicklich. Aber: Die Dekohärenz erklärt nur, warum die Interferenz verschwindet — welcher Einzelwert herauskommt (das Messproblem), ist weiterhin offen. → Skript §9.4 - Rechnung (nachgerechnet):
J; Photonen pro Sekunde. Die einzelne Portion ist so winzig und die Zahl so riesig, dass Energie makroskopisch kontinuierlich wirkt — die Quantelung bleibt im Alltag „unsichtbar". → Skript §9.2 - Haken: Nein. Schrödinger wollte 1935 die Absurdität zeigen, die entsteht, wenn man Quantenphänomene unverändert auf den Makrokosmos überträgt — das Experiment ist Ironie, kein Befund. Heutige Auflösung: Die Katze besteht aus
Teilchen in ständiger Wechselwirkung mit der Umgebung → ihre Superposition dekohäriert so schnell, dass eine „halb tote" Katze nie existiert. Die Katze ist kein Beweis makroskopischer Superposition, sondern eine Veranschaulichung der Grenze zwischen Quanten- und Alltagswelt — genau die Grenze, die Aspelmeyer experimentell abtastet. → Skript §9.4
Zettel 3
mit Js; . Wellenpaket in fünf Schritten: ① reine Sinuswelle = genau eine → über exakter Impuls ( ); ② aber überall ausgedehnt → kein Ort ( ); ③ Lokalisieren = viele verschiedene Wellenlängen überlagern → Interferenz lässt nur einen kleinen Bereich übrig = Wellenpaket; ④ je enger das Paket ( klein), desto mehr Wellenlängen → groß; ⑤ umgekehrt genauso. Ort und Impuls sind gegenläufig — Folge der Wellennatur der Materie, nicht der Messgeräte: „kein Messfehler, sondern ein fundamentales Prinzip." → Skript §9.6 - Rechnung (nachgerechnet; b ist eine Größenordnungs-Abschätzung über das Skript hinaus): a)
Js. b) kg·m/s; m/s — die Geschwindigkeit eines Elektrons im Atom ist auf Hunderttausende m/s unscharf! c) Js ist winzig → für eine Billardkugel (kg, m) ist die Grenze unmessbar klein — „im Alltag spielt diese Grenze keine Rolle", bei Atomen und Elektronen wird sie entscheidend. Das Gleichheitszeichen erreicht nur das ideale (gaußförmige) Wellenpaket. → Skript §9.6 - Temperatur = Maß für die mittlere Bewegungsenergie der Teilchen;
K °C wäre der Zustand ohne jede Bewegung — aber niemals erreichbar (3. Hauptsatz: beliebig annähern ja, in endlich vielen Schritten erreichen nein). Nullpunktsenergie in vier Schritten: ① völliger Stillstand hieße und ; ② also ; ③ Widerspruch zu → verboten; ④ ein Mindestmaß an Bewegung muss bleiben = Nullpunktsenergie. Absolute Ruhe gibt es in der Quantenwelt nicht. → Skript §9.7 - Aspelmeyer: makroskopische Quantenoptomechanik — quantenmechanische Kopplung von Licht an einen sichtbar großen, aufgehängten Spiegel (mechanischer Oszillator). Laserkühlung: Licht übt Strahlungsdruck aus (jedes Photon trägt Impuls); passend abgestimmt nimmt das Licht bei jeder Reflexion Schwingungsenergie ab — die Schwingungsquanten werden portionsweise „abgesaugt", bis nur die Nullpunktsbewegung (Quantengrundzustand) bleibt; derselbe Laser liest die Bewegung hochpräzise aus (= „Optomechanik"). Gravitation: Der Spiegel hat nennenswerte Masse → sein Gravitationsfeld ist prinzipiell messbar; in Superposition gebracht, lässt sich erstmals experimentell fragen, ob auch das Feld „in Superposition" ist bzw. ob Gravitation quantisiert werden muss. Kein Widerspruch zur Dekohärenz — genau der Punkt: extreme Isolation (Ultrahochvakuum, tiefste Temperaturen, Erschütterungsschutz) verlangsamt die Dekohärenz, sodass die Superposition kurzzeitig hält; zugleich testet man, ob Dekohärenz nur praktisches Hindernis ist oder eine fundamentale Obergrenze existiert (etwa: Gravitation verursacht den Kollaps). → Skript §9.5
- Haken: Laplace (~1814): Ein Dämon, der Ort, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Energie jedes Teilchens kennt, berechnet Vergangenheit und Zukunft → Determinismus, kein freier Wille. Widerlegt durch ① die Heisenberg-Unschärfe — schon die Eingabedaten sind prinzipiell unbeschaffbar — und ② den Quantenzufall (radioaktiver Zerfall): „Die Natur selbst weiß nicht, wann ein Atom zerfällt." → Der Dämon ist physikalisch unmöglich. Aber das Universum wird nicht unberechenbar: makroskopische Statistik bleibt extrem präzise (Halbwertszeit!) — verloren ist nur der Determinismus pro Teilchen. Die meisten Physiker akzeptieren: Mikrophysik ist intrinsisch zufällig; die Frage nach dem freien Willen ist damit neu geöffnet, nicht beantwortet. → Skript §9.8
Nachfragen — Kurzantworten
- Die ausgelösten Elektronen werden von der positiven Ladung sofort zurückgezogen → keine Anzeige. (§9.2)
- Glas absorbiert UV → Effekt stoppt → der UV-Anteil ist verantwortlich (nicht sichtbares Licht, nicht Wärme). (§9.2)
- Nein: Ein Elektron schluckt genau ein Photon — alles oder nichts, Photonen „legen nicht zusammen". (§9.2)
- Für die schnellsten Elektronen von der Oberfläche (maximale
); tiefere verlieren durch Stöße (vollständig: ). (§9.2) - Nein — für die Quantendeutung des Photoeffekts. (§9.2)
- Es teilt sich nicht; es ist in Superposition beider Wege und interferiert mit sich selbst. (§9.3)
- Nein, prinzipiell nicht: entweder Weginformation oder Interferenz — nie beides. (§9.3)
- Je mehr Teilchen, desto schneller die Dekohärenz; bei
Teilchen praktisch augenblicklich. (§9.4) - Nie (Dekohärenz zu schnell); der Zerfallszeitpunkt ist intrinsisch zufällig — die Natur weiß es selbst nicht. (§9.4/§9.8)
- Hauptsatz: nur annähern, nie erreichen; „völliger Stillstand" widerspräche
→ Nullpunktsenergie bleibt immer. (§9.7)
- Hauptsatz: nur annähern, nie erreichen; „völliger Stillstand" widerspräche
- Seine Masse ist groß genug, dass das Gravitationsfeld prinzipiell messbar ist — und er kann in Superposition gebracht werden → erstmals „Quanten + Gravitation" im Labor. (§9.5)
- Nicht „widerlegt", sondern den Geltungsbereich abgesteckt: Die klassische Physik ist der makroskopische Grenzfall. (§9.10)